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Open School goes online #06: Digitale Partzipation

Je länger die Corona-Krise anhält, umso schmerzhafter wird spürbar, dass Schule nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung ist, sondern auch und vor allem ein sozialer Ort: Im Klassenraum lernen Schüler*innen von und miteinander; Auf dem Pausenhof werden die neusten Infos & Sticker getauscht, jemand wird nach einem Tortreffer umarmt oder es gibt ein tröstendes Auf-die-Schulter-Klopfen, wenn eine Mathearbeit nicht gut ausgefallen ist. “Social Distancing” hat sich als Begriff für das Abstandhalten aufgrund von Covid 19 etabliert. Gemeint ist damit zunächst nur ein räumliches Abstandhalten, das nicht automatisch eine soziale Distanz bedeuten muss.  In Folge #06 stellen wir ein paar Best-Practice-Beispiele vor, die darauf zielen, den sozialen Zusammenhalt in der Klasse zu stärken – trotz des notwendigen coronabedingten Abstands. Wir haben diese Woche viel auf Hamburger Schulseiten recherchiert und sind begeistert von den vielen kreativen Mitmachangeboten, die wir gefunden haben.
Um leichter ein passendes Werkzeug für einen möglichen Online-Austausch zu finden, gibt es am Ende dieser Liste drei zusätzliche Empfehlungen.

 #06 Digitale Partizipation

  • Wolfgang-Borchert-Schule: Wobo sagt Hallo!
    Besonders in der Grundschule basiert Lernen auf der engen Beziehung zwischen Lehrenden und Schüler*innen. Wie sieht das Homeschooling speziell für diese Schulform aus? Ein schönes Beispiel liefert die Wolfgang-Borchert-Grundschule in Eimsbüttel, die auf ihrer Homepage eine Art digitales Tagebuch führt. Hier meldet sich regelmäßig das Stofftier Wobo zu Wort. Wobo sorgt für Kontakt und Kontinuität – neben den Briefen, mit denen die Hausaufgaben versandt werden. Wobo macht – wie alle Schüler*innen – seine Hausaufgaben, er erzählt Witze, sorgt sich wegen Corona oder sucht Ostereier. Auch wenn die Schüler*innen nicht direkt mit Wobo in den Austausch treten, ist er ein freundlicher Begleiter für die Kleinen, der dabei helfen kann, im Homeschooling am Ball zu bleiben.
  • Lutherrothstraße: Baumeister der Schule
    Wie effektiv und gut ein Arbeitspadlet genutzt werden kann, das zeigt Lars Kühl, ein Lehrer von der Grundschule Lutherrothstraße, mit einer Aktion, die “Baumeister der Schule” heisst. Zu Beginn gibt es die Aufgabe “Baue ein Teil aus Lego (oder Bauklötzen oder anderen Materialien) und zwar was immer dir einfällt”. Dazu noch der schöne Hinweis: “Alles ist möglich!” Und was alles möglich ist, das zeigen die vielen Fotos, die die Kinder eingeschickt haben: ein Schatzgarten, ein unbekanntes Flugobjekt, ein Monster, ein Baum mit Vogel, ein Stau vor Corona oder auch eine Elfenbrücke.
  • Dulsberg Late Night Show: Ein Must-See auf Youtube!
    “Schule ist so viel mehr als das blanke Lernen” – so bringt es Björn Lengwenuns, Schulleiter der Stadtteilschule Alter Teichweg, auf den Punkt. Seit dem Shutdown gibt es wochentags die Dulsberg Late Night Show, die direkt aus der Schule übertragen wird. Der Show- und Headmaster ist der Schulleiter, den man häufig mit dem Fahrrad durch die leere Schule cruisen sieht oder er sitzt im liebevoll gestalteten TV-Studio. Mit viel Witz und Empathie beantwortet Lengwenuns Schüler*innenfragen, die per Mail oder Video eingegehen, skypt mit Abiturient*innen, die traurig sind, dass der Schulstreich ausfällt oder er tauscht sich mit Kolleg*innen aus, die berichten, wie das Homeschooling funktioniert und was sie privat noch beschäftigt.
    Mit Unterstützung der Kulturagenten Hamburg ist hier ein außergewöhnliches Format entstanden, das pädagogisch und medial top ist. Bis in die Tagesthemen hat es die Show schon geschafft! Bisher sind über 20 Folgen entstanden, die auf Youtube einsehbar sind und auch ohne selbst an der Schule zu sein, macht es Spaß, die Sendungen anzusehen.
    Jede Show widmet sich einem Tagesthema. Mal liegt der Focus auf dem Ausnahmezustand, mal auf der besonderen Situation für Abiturient*innen oder auch auf ungewöhnlichen Themen, wie Quatsch-Machen mit Friedrich Nietzsche, Olympia 2021 oder Solidarität mit Italien. In der regelmäßigen Rubrik “Held/innen des Tages” werden Menschen rund um die Schule vorgestellt, die u.a. in der Kantine arbeiten, die Hausaufgaben zusammenstellen oder die Schulräume putzen.
    Ein festes Format sind die vielen per Mail oder Video eingesendeten Beiträge der Schüler*innen, die liebevoll und bunt arrangiert werden. Diese funktionieren wie Showeinlagen, die die jeweilige Sendung auflockern und bereichern. Hier sieht man Schüler*innen aller Jahrgangsstufen, wie sie ihren Corona-Alltag bewältigen und was ihnen dabei schwer oder leicht fällt. Filme zeigen Kinder und Jugendliche, die musizieren, singen, tanzen, Sport oder sich verkleiden. An den Beiträgen wird deutlich, wie doll die eigene Schule vermisst wird (- neben all dem Nerv, den diese mitbringen mag). Auch für die Lehrenden ist die Lehr- und Lern-Situation nicht ganz einfach, da der direkte Kontakt zur Klasse fehlt. 
    Die besondere Qualität der Dulsberg Latenight Show ist es, den Mikrokosmos “Schule im Shutdown” in seinen vielfältigen Facetten zu zeigen.  Das kreative (und sehr aufwändige) Format hat das Potential, den Zusammenhalt intern zu stärken und es belegt, dass Schule so viel mehr ist als eine schnöde Institution zur Wissensweitergabe.
  • Gymnasium Dörpsweg: Kunstchallenge
    Am Gymnasium Dörpsweg gibt es jede Woche eine Kunstchallenge, der sich die Schüler*innen stellen können und dessen Ergebnisse auf Instagram geteilt werden. In einer Woche sollten die Schüler*innen beispielsweise den Blick aus ihrem Fenster fotografieren und ihm einen passenden Namen geben. In Woche zwei ging es darum, das Corna-Virus in einer Plastik darzustellen. Die Woche drauf sollten sich die Schüler*innen ein bekanntes Kunstwerk aussuchen und es Zuhause mit 6 Alltagsgegenständen nachbauen.
  • Gymnasium Hochrad: Die Homepage als Kommunikator
    Auf vielen Schulwebseiten finden sich aktuelle Informationen rund um den Umgang mit Corona und die Vorgaben zum Homeschooling. Das Gymnasium Hochrad nutzt seine Homepage umfassender, um mit Schüler*innen in Kontakt zu bleiben und auch um Arbeitsergebenisse zu zeigen. So wird eine Fotoausstellung von Schüler*innen der 5. Klassen zum Thema Schatten gezeigt oder ein anderer Beitrag präsentiert die textilen Objekten des Wahlpflichtfachs Modedesign. Auf Englisch werden die Umfrage-Ergebnisse zum Online-Schooling präsentiert oder ein Mathespiel zum Knobeln vorgestellt.
    Hier profitiert die Schule deutlich davon, dass sie schon seit langem aktiv ihre Webseite einsetzt und es beispielsweise feste Rubriken und Formate dafür gibt. Besonders schön ist, dass auch Schüler*innen selbst Artikel für ihre Schulhomepage schreiben, beispielsweise über eine Exkursion zum Wasserwerk, die noch vor der Schulschließung gemacht wurde.
  • Jugend.beteiligen.jetzt
    Wie können Jugendliche an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, sie sieht eine Demokratiebildung in digitalen Zeiten aus, die konsequent den Fokus auf kollektiven Austausch untereinander legt? Diesen Fragen widmet sich die Plattform Jugend.beteiligen.jetzt schon länger. Auf der Seite werden verschiedene digitale Tools kurz und prägnant vorgestellt: Was kann das jeweilige Beteiligungs-Werkzeug, welche technischen Voraussetzungen braucht es, was kostet es, etc.? Wie so oft ist es gar nicht so leicht, für den entsprechenden Anspruch das passende Tool zu finden. Diese Seite gibt hier einen guten Überblick über mögliche Partzipationsformen und kann daher auch als Inspiration dienen, wie man gemeinsam zu Entscheidungen kommen kann ohne im direkten Austausch zu sein. Praktisch ist auch die Entscheidungshilfe, die den Nutzungsbedarf abfragt und dann auf mögliche Lösungen verweist.
  • Drk-Werkzeuge Digitalisierung
    Ebenfalls einen Superservice biete das Deutsche Rote Kreuz an, das digitale Werkzeuge für das Homeoffice vorstellt. Gut sortiert in 13 Rubriken werden Tools vorgestellt und beurteilt, um Telefon- oder Videokonferenzen durchzuführen. Cloud-Speicher und Messenger-Dienste werden gesichtet oder auch Suchmaschinen und Tools, um Online-Umfragen zu erstellen. Auch hier gibt es einen knappen Überblick über Funktionsweisen, Besonderheiten und Einschränkungen. Schwierig ist, dass die großen Player (wie Google, Facebook & Co) sehr dominant sind und viele Tools, die gratis sind, häufig datenschutzrechtlich nicht safe sind. Aber es gibt auch Alternativen und Ausnahmen, wie z.B. Nuudle, ein Terminfindungstool, das keine Nutzer*innendaten abfängt.
  • Bildungspunks: Empfehlungen und Beispiele zum Online-Lernen
    Ein Blick auf die Unterstützungsmaterialien der Bildungspunks lohnt sich auch sehr, weil hier nicht nur kurze Beschreibungen von Tool sind, sondern  man findet hier auch Erklärvideos und Praxisbeispiele von Lehrernden, die ihre Rezepte für den Fernunterricht teilen. Schön ist der Blog von FrolleinFlow, die für das Prinzip dirty & quick plädiert, oder die Youtube-Reihe von Jens, in der unterhaltsam und anschaulich gezeigt wird, wie ein virtuelles Klassenzimmer gelingen kann.

    Weitere Tipps und Themen rund ums Globale Lernen finden sich in unserem Open-School-Padlet, das regelmäßig ergänzt und aktualisiert wird.