(Foto: Rasande)

Open School goes online #07: Hamburgs Geschichte/n

Viele der Themen, die unser Aufgabengebiet Globales Lernen umfassen, lassen sich gut vor Ort in der Metropole Hamburg thematisieren: Globalisierung, Migration, Armut & Reichtum, der Wandel der Arbeit, aber auch Nachhaltigkeit und die SDGs. Normalerweise wären wir im Frühling auch viel in der Stadt unterwegs – mit Bus & Bahn, zu Fuß oder per Barkasse.  Nun ja, dieses Jahr macht der Mai alles ein wenig anders. Wir nutzen die ungewöhnliche Zeit und widmen uns in Folge #07 der Geschichte Hamburgs sowie den Menschen, die diese Geschichte/n erlebt haben. Alles, was da ist, ist immer auch von Menschen gemacht und daher sind lokal-globale Geschichte/n (das Geworden-Sein von Stadt und Gesellschaften) ein fester Bestandteil jeder Open-School-Exkursion.

Für Sek 1 geeignet

  • Mikado: Zeitreise Geschichte 
    Der NDR geht in seiner Kinderradiosendung mit einem neuen Format an den Start: Mikado Zeitreise. “Geheime Verschwörungen, gemeine Belagerungen, irre Entdeckungen, wirre Verwicklungen – die alten Zeiten sind voller Abenteuer!”, so kündigt die Redaktion das Projekt an. In jeder Folge reisen die jungen Reporter Taylor, Alex und Henry mit einer Zeitmaschine zu einem historischen Ereignis, um von vor Ort zu berichten. Im Studio ist dann der Historiker Thorsten Logge zu Gast, der die Zusammenhänge der Zeit beleuchtet und das Erlebte einordnet.
    In der Folge “Als Kolumbus Indien suchte – und Amerika fand” bremst der Historiker beispielsweise die Entdecker-Euphorie und macht deutlich, dass a) Kolumbus nicht der erste Europäer war, der nach Amerika segelte und b) dass es bereits vor der vermeintlichen “Entdeckung” schon Menschen gab, die hier wohnten. Durch diese Kombination von Zeitreise und Kontextualisierung entsteht ein kindgerechtes Format, das nicht hinter dem wissenschaftlichen Stand der Forschung zurück geht. Sehr schön ist auch der Mikado-Zeitstrahl Geschichte, den Kinder sich ausdrucken können. Zu jeder Folge gibt es einen Pinn, der das vorgestellte Jahr und Ereignis markiert.

Für Sek II und Berufsschulen geeignet

  • Open School 21: Hafenbooklet
    Ganz ohne Eigenwerbung kommen auch wir nicht aus. Die Open School hat im letzten Jahr ein Booklet mit Quellen und Informationen rund um den Hamburger Hafen erstellt. Neben einer Karte gibt es hier einen Zeitstrahl mit wichtigen Ereignissen der Hafengeschichte. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten, wie “Handelswaren”, “Kolonialismus” oder “Nationalsozialismus”, finden sich Recherchelinks und mögliche Forschungsfragen für Schüler*innen. Diese Sammlung kann nur ein kleiner Trost sein für die Zeit, in der unsere Stadtrundgänger*innen ihr Wissen nicht live und unterwegs teilen können.
  • BSB: Digitales Geschichtsbuch Hamburg
    Das digitale Geschichtsbuch Hamburg widmet sich der Hamburger Geschichte von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Jetztzeit.  Die Projektleitung hat hier die Historikerin Dr. Silke Urbanski, die im Auftrag der Behörde für Schule und Berufsbildung dieses tolle  (und weiter wachsende) Projekt umgesetzt hat. Schön übersichtlich sind die verschiedenen Epochen und Phasen aufbereitet. Die Informationen sind fachlich fundiert und pädagogisch ansprechend präsentiert. Schüler*innen können Hamburger Zeitzeug*innen kennenlernen, wie beispielsweise die Zitronenjette, den rebellischen Arbeiter J.B. Kohn oder die Frauenrechtlerin Helene Lange. Es gibt zu jeder Epoche – neben klassischen Quellen und Fotos – auch Arbeitsblätter, die Forschungsfragen und Aufgaben beinhalten. Auch lohnt sich ein Blick in die Themensammlungen, z.B. zu Hanse und Handel oder zu den Gängevierteln und Elendsquartieren.
  • Mopo: Der Tag, an dem… als Podcast
    Der Tag, an dem …” – so heißt die Artikelserie von Olaf Wunder, die immer sonntags in der Hamburger Morgenpost erscheint. Vielleicht weniger bekannt ist, dass es einen gleichnamigen Podcast gibt, in dem sich der Autor in fünf-Minuten-Beiträgen jeweils ein Ereignis der Hamburger Stadtgeschichte zur Brust nimmt. Dies können markante historische Begebenheiten sein, wie 1943 die “Operation Gomorrha”, bei der die Briten Hamburg bombardierten oder 1939 der Stapellauf des Kriegsschiffes Bismarck, bei dem Zehntausende Hamburger*innen Hitler begeistert zujubelten. Es werden aber auch Tage vorgestellt, wie der 4. Dezember 1867 oder der 27. August 1914, an dem Hamburger Persönlichkeiten geboren wurden: In diesem Fall der Sänger Ludwig Isaac von den Gebrüdern Wolf bzw. die Volksschauspielerin Heidi Kabel. Deren Geburtstage nimmt Olaf Wunder zum Anlass, das Leben und Werk dieser Persönlichkeiten (und den zeithistorischen Kontext) vorzustellen. Die knapp 100 Podcastfolgen sind ebenfalls via Soundcloud oder Apple-Podcast abonnierbar.

    Im Fokus: Hamburg als Kolonialhauptstadt Deutschlands

    Globales Lernen heißt, die Verwobenheit vom Globalen mit dem Lokalen zu sehen und zu verstehen. Wenn wir heute über ungleiche Handelsbeziehungen, über Globalisierung reden, dann gibt es kaum ein Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte, das so prägend war, wie die Kolonialzeit. Auch wenn die Phase, in der Deutschland offiziell Kolonien okkupiert hatte, offiziell “nur” von den 1880ern bis zum ersten Weltkrieg 1919 dauerte, so sind die Folgen dieser Gewaltherrschaft fatal und grundlegend. Als das “koloniale Tor zur Welt” hat Hamburg Krieg, Raub, Ausbeutung, Genozid & Versklavung massenhaft forciert und viele Soldaten, Wissenschaftler, “ehrbare Kaufleute” und Handelstreibende haben Schuld auf sich geladen. Höchste Zeit, sich diesem Teil der Hamburg-Geschichte und seinen politischen Konsequenzen intensiver zu widmen.

  • Fink: Leichen im Keller
    Einen guten Überblick gibt eine Recherchearbeit des digitalen Stadtmagazins Fink mit dem Titel “Leichen im Keller. Hamburgs koloniales Erbe”.  Hier gibt es u.a. Interviews mit Jürgen Zimmerer, Professor für afrikanische Geschichte, der – zusammen mit einem Fachkolleg – von der Hansestadt beauftragt wurde, das koloniale Erbe und die Verantwortung Hamburgs zu erforschen. Zimmerer ist der Experte schlechthin für den deutschen Kolonialismus und taucht in vielen Dokumentationen dazu auf.
  • Metropolis: Hamburgs Rolle im Kolonialismus
    Die Reportage des Arte-Magazins Metropolis widmet sich ebenfalls der Rolle Hamburgs im Kolonialismus: “Der Kolonialismus steckt tief in der DNA der Stadt”, heißt es im Vorspann. Hannimari Jokinen engagiert sich im Arbeitskreis Hamburg postkolonial und kämpft seit Jahrzehnten gegen Rassismus & koloniale Kontinuitäten. Die Aktivistin legt immer wieder den Finger in die Wunde und zeigt, wie zögerlich sich die Stadt ihrer politischen Verantwortung stellt. Sei es der Kaisersaal im Rathaus, die nach Kolonialisten benannten Straßen in der Hafencity oder die Restaurierung der riesengroßen Bismarck-Statur an den Landungsbrücken – hier werden nach wie vor nostalgische Kolonial-Traditionen gepflegt. Erst über den kontinuierlichen Druck von Aktivist*innen und Überlebenden-organisationen der vom kolonialen Genozid betroffenen Herero und Nama nehmen die Debatten um Reparationen und die Rückgabe von Raubgütern an Fahrt auf.
  • BR: Deutschlands verdrängtes koloniales Erbe
    “Der Rassist in uns – Deutschlands verdrängtes koloniales Erbe” ist eine einstündige Radiosendung des bayrischen Rundfunks betitelt. Die Sendung beginnt mit dem bewegenden Statement von Sina Lüpert vom Volk der Nama. Sie erzählt die Geschichte ihres Urgroßonkels Cornelius Frederik. Deutsche Kolonialtruppen ermordeten Frederik, seine Überreste wurden als rassistisch-voyeuristisches Anschauungsmaterial nach Deutschland verschifft. Die Nachfahrin Lüpert kämpft in München um die Anerkennung des ersten deutschen Völkermords an den Herero & Nama – dem 60. bis 80.000 Menschen zum Opfer fielen. Lüpert fordert u.a. die Rückgabe der Leichenteile und Raubgüter.
  • Blog Decolonizing Hamburg
    Wer weiter informiert bleiben möchte über aktuelle Debatten, Veranstaltungen und Aktionen rund ums Thema Post/Kolonialismus, dem sei der Blog Decolonizing Hamburg des Bildungsbüros Hamburg e.V. empfohlen. Hier werden auch diverse Stadtrundgänge zu Hamburgs Kolonialgeschichte angeboten, die allerdings – wie unsere Open-School-Stadtrundgänge derzeit auch – aktuell ausfallen müssen.

    Weitere Tipps und Themen rund ums Globale Lernen finden sich in unserem Open-School-Padlet, das regelmäßig ergänzt und aktualisiert wird.