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Globales Lernen

Globales Lernen ist ein offenes, integratives Konzept. Es greift Impulse verschiedener Ansätze auf, z.B. interkulturelle Erziehung, Umwelterziehung, Friedenspädagogik, Demokratiepädagogik. Es stellt Bezüge zu Fragen der Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit her und will dazu beitragen, globale und lokale Ungerechtigkeiten zu überwinden.

In der Open School dienen uns die folgenden Sätze als Richtschnur:

Globales Lernen heißt für uns, Räume zu schaffen, in denen globale Verflechtungen und Machtstrukturen angeschaut werden können. Hier können der eigene Standpunkt und die eigenen Handlungsräume (sowie auch ihre Grenzen) analysiert werden. Gleichzeitig gilt es, es auszuhalten, dass Gruppen und Gesellschaften auf der Welt unterschiedliche Lösungsansätze zur Überwindung von Ungerechtigkeiten und Machtungleichheiten haben. 

Globales Lernen bietet für uns die Möglichkeit, Lernprozesse in Gang zu bringen, die dazu beitragen, vermeintlich allgemein gültige und gesetzt scheinende Sichtweisen anders zu denken und sozusagen zu Ent-lernen. 

Um die Vielfalt dieses Konzepts abzubilden, haben wir nachstehend weitere Definitionsvorschläge  von Organisationen zusammengestellt, die schon lange in diesem Feld aktiv sind:

agl / Dachverband der Eine Welt-Landesnetzwerke

Globales Lernen befähigt Menschen, Gesellschaft im Sinne weltbürgerlicher Verantwortung aktiv mitzugestalten. Es fördert das Verständnis globaler Zusammenhänge und der eigenen Rolle darin und verweist auf historische und strukturelle Ursachen globaler Ungleichheit und Armut. Dabei werden gerade auch die Widersprüche der globalisierten Welt thematisiert und wie wir mit der eigenen Unsicherheit umgehen können, die etwa durch Unklarheit und Unwissen sowie Wertekollisionen entstehen kann. Zugleich lenkt Globales Lernen den Blick auf alternative Gesellschaftsentwürfe und zeigt positive Beispiele des Wandels auf.

(hier weiterlesen; PDF)

Epiz Berlin:

Globales Lernen ist ein pädagogisches Konzept. Es fokussiert auf soziale Gerechtigkeit und somit auf die weltweite Durchsetzung politischer, sozialer und ökonomischer Menschenrechte. In der Auseinandersetzung damit werden Lebenssituationen und explizit marginalisierte Perspektiven von Menschen in Ländern des Globalen Südens differenziert einbezogen.
(hier weiterlesen)

Oxfam / England:

Education for Global Citizenship enables pupils to develop the knowledge, skills and values needed for securing a just and sustainable world in which all may fulfil their potential.

(hier weiterlesen)

 

Die Sustainable Developement Goals: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Am 25. September 2015 wurden von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN), auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in New York, die 17 Sustainable Developement Goals (SDGs) verabschiedet. Gemäß dieser Ziele sind weltweit alle Länder und in ihnen jede Stadt, jeder Landkreis, jede Kommune dazu aufgerufen, für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft aktiv zu werden. Für Staaten, die nicht daran mitwirken, die Ziele zu erreichen, gibt es keine Sanktionsmechanismen. Dennoch ist ein genauerer Blick auf die Ziele geboten, da die SDGs nun bis 2030 der internationale Referenzrahmen für soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Entwicklung der Vereinten Nationen sind.

SDGs auf das New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen projiziert. Foto: UN Flickr
SDGs auf das New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen projiziert. Foto: UN Flickr

 

 

 

 

 

 

Hier geht es zu den einzelnen Zielen:

Alle 17 Ziele auf einen Blick

Die SDGs in Hamburg

Die Open School 21 und die SDGs

Für die Open School sind die SDGs interessant, weil alle unsere Themen mit ihnen verknüpft werden können. Wenn wir beispielsweise globale Herausforderungen wie den Klimawandel und Klimaschutz im globalen Zusammenhang unter die Lupe nehmen, können wir diese Themen gleichzeitig auf unsere Stadt herunterbrechen und fragen:

Wer sind die Akteure in Hamburg, wenn es um Klimaschutz geht?
Was kann sich hier vor Ort bewegen und was braucht es dazu?
Was können wir beitragen?
Welche Interessen haben die unterschiedlichen Akteure?
Wo sind politische Konfliktfelder, wenn in der Hafenwirtschaft CO2 reduziert werden sollte, wirtschaftliches Wachstum und menschenwürdige Arbeit jedoch ebenso ein Ziel darstellen?
Wer trägt die Verantwortung für zukunftsweisende Entscheidungen?

Der Kreislauf lokaler und globaler Verflechtungen wird an inspirierenden Lernorten in der Stadt lebendig und regt Schüler*innen dazu an, ihr eigenes Involviert-sein im global-lokalen Geschehen wahrzunehmen. Persönliche Verbindungen und sinnliche Zugänge zu Orten und Plätzen der eigenen Stadt oder Region sind aus unserer Sicht bedeutsam im Hinblick auf die Reflexion vermeintlich gesetzter Zustände. Sie bilden den Ausgangspunkt für Veränderung und nachhaltigen Wandel.

No one is left behind  

Niemand wird zurückgelassen, ist eine der Kernaussagen der SDGs, bzw. der Agenda 2030 und könnte ein politisches Signal der Rückendeckung für all jene Menschen sein, die sich für Gerechtigkeit, Würde, Wohlergehen und dauerhaften Frieden einsetzen. 

Damit dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann, müssen unterschiedliche Ausgangspositionen von Staaten und Menschen anerkannt werden. Es gilt, Machtverhältnisse und Privilegien kritisch zu hinterfragen. Auch auf systemische, unbequeme Fragen gilt es Antworten zu finden:

Sind die Ziele der Agenda 2030 angesichts fehlender Sanktionen womöglich nur ein Papiertiger?
Wo widersprechen sich die Ziele?
Wie müssten sie angepasst werden, um gemeinsam wirksam zu werden?
Wie kann Gerechtigkeit in ungleichen Handelsbeziehungen Einzug halten?
Wie kann soziale Ungleichheit aufgehoben werden?
Wie können Macht und Privilegien umverteilt werden?
Muss nicht die Ausrichtung auf Profitorientierung und Wachstum angesichts endlicher Ressourcen ganz zentral auf dem Prüfstand stehen?

Die Beantwortung dieser Fragen wirft uns auf unsere eigenen Wirkungsfelder zurück. Für wirklich nachhaltige Veränderungen sind weiße Menschen im globalen Norden gefordert anzuerkennen, dass Hierarchien bestehen und benannt werden müssen. Reiche Industrieländer organisieren die Nutzung der endlichen Ressourcen unseres Planeten überproportional und müssen sich der Verantwortung für zunehmende globale Ungerechtigkeit stellen. Das Reflektieren und Erkennen der eigenen Rolle als Staat, als Gemeinde, als Mensch innerhalb solcher Machtverhältnisse, markiert den Beginn eines Beitrags zu Gerechtigkeit und Chancengleichheit, die in den Zielvorstellungen der Agenda 2030 formuliert wurden.

Die SDGs in Hamburg

In Hamburg waren es zunächst zivilgesellschaftliche Organisationen, die Universität und einzelne Behörden, die Debatten und konkrete Zielvorstellungen im Sinne der Agenda 2030 in der Stadt Hamburg führten. Auf Senatsebene fehlt bislang leider ein solcher Rahmen, wie beispielsweise eine Nachhaltigkeitsstrategie. Hier könnten die Fäden aus den unterschiedlichen Politikbereichen zusammenfließen, um die Stadt als Ganzes nachhaltiger aufzustellen, das heißt: soziale, wirtschaftliche und umweltpolitische Nachhaltigkeit endlich als Einheit zusammen zu denken und zukunftsfähige Handlungsmaxime zu erarbeiten.

Dazu ein Überblick von Jochen Menzel (Zukunftsrat Hamburg), der eine sehr lesenswerte Analyse zur Situation in Hamburg darstellt.

Ein erster Hoffnungsschimmer und dann Stillstand? 

Für die engagierte Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele und der Benennung einzelner Zielvorstellungen für Hamburg ist die Senatsdrucksache 21/9700 der Hamburger Bürgerschaft aus dem Juli 2017 relevant. Hier wurden verschiedene Schwerpunkt- und Querschnittsthemen für die Umsetzung der SDGs benannt.

Leider geriet der Prozess an dieser Stelle massiv ins Stocken, so dass das zivilgesellschaftliche Nachhaltigkeitsforum den Senat in einer Stellungnahme aus dem November 2019 aufforderte, endlich seinen Verpflichtungen aus den SDGs bzw. der Agenda 2030 nachzukommen, wie es Bund und Länder in einer gemeinsamen Erklärung über Nachhaltigkeit als Leitprinzip im Juni 2019 angekündigt hatten.

Nun, im Sommer 2020, mitten in unsicheren Zeiten, in denen das Prinzip der Nachhaltigkeit umso mehr eines ist, dass sich angesichts sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Krisen entfalten sollte, gibt es von Seiten der Hamburger Bürgerschaft leider noch nichts Neues zu vermelden.
Open School, Juli 2020